Vladimír Šacha (1903–1986)

Foto: Vladimír Šacha, Quelle: obalkyknih.cz

In „Hlas“ verwendete Pseudonyme, Kürzel oder Namensformen: Pavel Skalník.

Vladimír Šacha wurde am 11. Juli 1903 in Žďár nad Sázavou (Saar), etwa 150 südöstlich von Prag, geboren. Sein Vater, der im Ersten Weltkrieg gefallen war, besaß hier eine kleine Schuhfabrik. Nach dem Schulbesuch ließ sich Šacha in Brno (Brünn) zum Lehrer ausbilden und wurde anschließend in verschiedenen Dorfschulen in der Tschechoslowakei tätig, so etwa in Rovné, Ostrov nad Oslavou, Vítochov, Sklené und schließlich in seinem Heimatort Žďár nad Sázavou.

Vladimír Šacha wurde 1922 Mitglied der Kommunistischen Partei und arbeitete vor allem in deren Jugendbewegung in der Region Žďár mit. Im Umfeld der tschechoslowakischen sexuellen Minderheitenbewegung war er der einzige bekennende Marxist, der sich indes bewusst war, dass der Kampf für die Abschaffung des § 129, der Homosexualität mit Strafe belegte, nur „auf dem Boden des Parlamentarismus“ geführt werden könne.

Offenbar waren es Gefühle der Fremdheit und Isolation, die Vladimír Šacha in seiner Jugend verspürte und die ihn die „Kameradschaft“ in der Kommunistischen Partei suchen ließen. Besonders prägend für ihn war auch die Freundschaft mit dem Journalisten Vratislav Šantroch (1910–1941), der wegen illegaler Tätigkeiten von den deutschen Besatzern hingerichtet wurde. Vladimír Šacha hielt 1957 seine Erinnerungen an Šantroch schriftlich fest, und obwohl er stets behauptete, ihre Freundschaft habe auf gemeinsamen politischen Überzeugungen und der gemeinsamen Liebe zur Literatur und Natur beruht, ist sein gesamter Bericht von einer sublimierten Homoerotik durchdrungen. Es lässt sich aber nicht entscheiden, ob sich auch Vratislav Šantroch der Gefühle Šachas für ihn bewusst war.

Vladimír Šacha wurde am 15. Januar 1941 zusammen mit einer Reihe von Arbeitern, die in der kommunistischen Untergrundbewegung der Region Žďár tätig gewesen waren, verhaftet. Er wurde in Dresden, Breslau (Wrocław) und Brünn (Brno) inhaftiert und wurde schließlich  in das Konzentrationslager Dachau eingewiesen, in dem er bis Kriegsende interniert war. Nach seiner Rückkehr in die Tschechoslowakei wurde Šacha Vorsitzender des Nationalausschusses in Žďár nad Sázavou, und er veröffentlichte einen Erlebnisbericht über seine Zeit in deutscher Gefangenschaft. Es handelt sich bei ihm um einen der wenigen tschechischen Nachkriegszeugnisse, in denen festgehalten wird, dass auch Personen, die aufgrund ihrer Homosexualität inhaftiert waren, in deutschen Konzentrationslagern einsaßen. Sie wurden von Šacha nicht als moralisch verwerflich oder als „zu Recht“ inhaftiert dargestellt, sondern voller Mitgefühl geschildert.

Vladimír Šacha war von 1948 bis 1965 Bezirksschulinspektor und ging danach in den Ruhestand. 1968 wurde eine grobe antikommunistische Kampagne gegen Šacha geführt, die auch persönliche Angriffe auf ihn umfasste, so etwa Steinwürfe und das Malen eines Galgens auf die Eingangstür seines Wohnhauses. Vladimír Šacha starb am 6. Juli 1986 in Nové Město na Moravě (Neustadt), 70 Kilometer nordwestlich von Brno (Brünn).

Veröffentlichungen in „Hlas“:

als Pavel Skalník

  • Reportáž z Paříže | Bericht aus Paris, in: Hlas sexuální menšiny – zájmy uznávané vědou a kulturními státy, 1931 (11), S. 7–9.
  • Noc před Verdunem | Die Nacht vor Verdun, in: Hlas sexuální menšiny – zájmy uznávané vědou a kulturními státy, 1931 (11), S. 9.
  • U hrobu Oscara Wildea | Am Grab von Oscar Wilde, in: Hlas sexuální menšiny – zájmy uznávané vědou a kulturními státy, 1931(12), S. 12.
  • Píseň chlapci | Die Liedermacher, in: Hlas list sexuální menšiny, 1932 (1), S. 5.
  • K recensi v časopise Levá fronta (cislo 6., strana 180) | Zur Rezension in der Zeitschrift Levá fronta (Ausgabe 6., Seite 180), in: Nový hlas – list pro sexuální reformu,1932 (1), S. 17–18.
  • Poznámka k našemu boji | Eine Anmerkung zu unserem Kampf, in: Nový hlas – list pro sexuální reformu, 1932 (4), S. 7.
  • Zpěv člověka | Der Gesang des Menschen, in: Nový hlas – list pro sexuální reformu, 1932 (5), S. 9.
  • O lásce antické | Über antike Liebe, in: Nový hlas – list pro sexuální reformu, 1932 (6), S. 1–3.
  • Sen mímo záhon | Traumhaftes Blumenbeet, in: Nový hlas – list pro sexuální reformu, 1933 (6), S. 93.
  • Zrada | Verrat, in: Nový hlas – list pro sexuální reformu, 1933 (7—8), S. 116–117.
  • Sirena | Sirene, in: Nový hlas – list pro sexuální reformu, 1934 (3), S. 44–45.

Weiterführende Literatur und Quellen:

  • Lishaugen, Roar und Jan Seidl (2011): Generace hlasu. Česká meziválečná homoerotická literatura a její tvůrci, in: Putna, Martin C.: Homosexualita v dějinách české kultury. Praha: Academia. S. 249–252.
  • Seidl, Jan (2012): Homosexualita v praxi a diskurzu trestního práva, medicíny a občanské společnosti od vydání trestního zákona z roku 1852 do přijetí trestního zákona z roku 1961 (dizertační práce). Praha: Univerzita Karlova v Praze, Fakulta humanitních studií, S. 314–323.

Internet:

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