Eduard Oskar Püttmann (1880–1936)

Abbildung: Junger Mann in blauem Anzug, 1912 Öl auf Leinwand, 81 × 44,5 cm, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, © Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main. Fotografin: Karen Blindow

Veröffentlichte in „Hlas“ unter seinem Klarnamen.

Über den Lebensweg Eduard Oskar Püttmanns ist heute nur wenig bekannt, obwohl er zu seinen Lebzeiten ein umtriebiger Verfasser homoerotischer Romane, Erzählungen und Gedichte war. Eduard Oskar Püttmann wurde am 15. Mai 1880 in Lichterfelde (damals noch bei Berlin) geboren. Seine Eltern waren der Französischlehrer Dr. phil., Professor und Geheime Regierungsrat Hugo Püttmann (gest. 4. Februar 1905), der an der Königlich Preußischen Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde tätig war, und dessen Frau Anna Fliehs. Um 1912 war Eduard Oskar Püttmann kurzzeitig Geschäftsführer des „Deutschen Handels-Kontors mit beschränkter Haftung“ in Berlin, später trat er unter anderem als Gründer und künstlerischer Leiter des „Theaters des Eros“ hervor, dessen erste Aufführung am 6. Juli 1921 im Stadttheater Moabit stattfand. 1920 widmete er Magnus Hirschfeld in der Zeitschrift „Der Eigene“ auch ein Gedicht.

Offenbar nahm Eduard Oskar Püttmann als Soldat am Ersten Weltkrieg teil, wo er unter anderem am Hartmannswiller Kopf (Vieil Armand/Hartmannsweiler Kopf) in den Vogesen diente. Bekannt ist ein entsprechendes Gedicht, das Püttmann 1918 veröffentlichte. „Die Netze spinnt die Nacht aus schwerem Schweigen / um harten Fels und wesenlose Weiten,“ hatte er hier festgehalten, „und tausend tiefe, tiefe Schleier gleiten / auf Züge, die des Todes Stempel zeigen.“ In den Schanzenkämpfen am Hartmannswillerkopf starben 30.000 französische und deutsche Soldaten; etwa doppelt so viele wurden verletzt. Die Kämpfe führten für keine Seite zu einem Ergebnis und stehen heute für die Sinnlosigkeit des Krieges. 

Püttmanns Erzählungen der Zwischenkriegszeit kreisen meist um die dramatischen Konflikte, die sich aus den unglücklichen Liebesbeziehungen zwischen homo- und heterosexuellen Männern ergeben. Seine Novelle „Der Sieg des Eros“ wurde am 23. Dezember 1933 beschlagnahmt. Ob die Skizze Pütttmanns über den russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski, die 1933 in „Hlas“ veröffentlicht wurde, in Absprache und im Einvernehmen mit dem Autor erschienen ist, kann nicht entschieden werden. Unbekannt ist auch, unter welchen Umständen Eduard Oskar Püttmann die ersten Jahre des nationalsozialistischen Regimes erlebte. Er wohnte in der Steglitzer Kniephofstraße 59 und starb am 20. März 1936, unweit seiner Wohnung, im städtischen Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Berlin-Friedenau. Püttmanns Werke finden sich auf der 1938 veröffentlichten „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“, das von den Nationalsozialisten verboten wurde.

Dass das 1912 entstandene Gemälde „Junger Mann in blauem Anzug“ von Ludwig Meidner (1884–1966) Eduard Oskar Püttmann darstellt, war lange unbekannt. Nachdem das Bild 1969 von der Bremer Kunsthalle aus Privatbesitz angekauft worden war, ging man zunächst davon aus, dass es sich bei dem Dargestellten um den Dichter Johannes R. Becher (1891–1958), einen Freund Meidners, handelt. Aufschluss gaben schließlich die Untersuchung der Bildrückseite, auf der sich ein leicht beschädigtes Etikett befindet, und die „Liste der Bilder in meinem Besitz“, die Meidner 1916 anlegte, bevor er zum Militärdienst eingezogen wurde. Demnach handelt es sich bei dem „jungen Mann in blauem Anzug“ um das von Meidner so bezeichnete „Portrait Püttmann (blau)“.

Veröffentlichungen in „Hlas“:

  • Petr Iljič Cajkovský | Pjotr Iljitsch Tschaikowski, in: Nový hlas – list pro sexuální reformu, 1933 (11), S. 153–155.

Weiterführende Literatur und Quellen:

  • Hergemöller, Bernd-Ulrich (2010): Püttmann, Eduard Oskar, in: ders. (Hrsg.): Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mannmännlicher Sexualität im deutschen Sprachraum. Teilband 1. Berlin/Münster, Lit Verlag, S. 942–943.
  • Keilson-Lauritz, Marita (1997): Die Geschichte der eigenen Geschichte. Literatur und Literaturkritik in den Anfängen der Schwulenbewegung am Beispiel des Jahrbuchs für sexuelle Zwischenstufen und der Zeitschrift Der Eigene. Berlin: Verlag rosa Winkel, S. 125, 165, 266, 456–457.
  • Püttmann, Eduard Oskar (1918): Hartmannsweiler Kopf, in: Vogesenwacht (Nr. 14), 19.5.1918.
  • Püttmann, Eduard Oskar (1920): Vereinigung (Herrn Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld zugeeignet), in: Der Eigene (Jg. 8), Nr. 1, S. 11.

Internet:

  • Beitrag „Ludwig Meidner – Seismograph (Rätsel um ein Porträt)”, auf ludwig-meidner.de.
  • Eintrag zu Eduard Oskar Püttmann auf Verbannte und Verbrannte (Liste der im Nationalsozialismus verbotenen Publikationen, Autoren und Verlage).

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