Karel Fein (1894–1942)

Veröffentlichte in „Hlas“ unter seinem Klarnamen.

Karel [auch Karl] Fein wurde am 9. März 1894 als Sohn des Fabrikbesitzers Albert Abraham Fein (1854–1896) und dessen Frau Helene Fein geb. Brecher (1855–1943) im mährischen Brno (Brünn) geboren. Er hatte einen älteren Bruder und eine ältere Schwester. Nach einem Studium der Rechtswissenschaft praktizierte er als Scheidungsanwalt und trat als Aktivist der tschechoslowakischen Homosexuellenbewegung in der Zwischenkriegszeit in Erscheinung.

Karel Fein gehörte 1932 dem „Vorbereitenden Kongresskomitee“ der Brünner Tagung der Weltliga für Sexualreform (WLSR) an, begrüßte Magnus Hirschfeld persönlich in Brno, und ein Jahr später war er mit der Rückkaufaktion einiger der von den Nazis beschlagnahmten Gegenständen aus dem geplünderten Institut für Sexualwissenschaft betraut, die nicht auf dem Berliner Opernplatz verbrannt worden waren. Magnus Hirschfeld notierte am 9. Dezember 1934, es sei mit Hilfe Feins gelungen, aus dem Deutschen Reich „2200 Kilo Bücher, Manuskripte, Dokumente, Fragebogen, Bilder, Gegenstände nach Paris zu bekommen.“

Als Hirschfelds langjähriger Lebenspartner Karl Giese 1936 nach Brno zog, wohnte er für etliche Monate zunächst bei Fein, bevor er eine eigene Wohnung bezog. Bis heute ist unklar, was mit Karl Gieses Hab und Gut geschah, nachdem er im März 1938 in Brno Selbstmord begonnen hatte. Karel Fein war Gieses Erbe und Nachlassverwalter, aber Gieses Eigentum und alle Spuren zu ihm gingen verloren, als Fein drei Jahre später aus der Tschechoslowakei deportiert wurde.

Ab 1939 wohnte Karel Fein in Prag, von wo er am 21. Oktober 1941 in das Ghetto Łódź in Polen verschleppt wurde. Hier kam er am 2. Mai 1942 ums Leben. Möglicherweise beging er Selbstmord. Karel Feins Mutter, seine Schwester und deren Mann sowie sein Bruder wurden in der Shoah ermordet.

Veröffentlichungen in „Hlas“:

  • Die Homosexuellen und das Gesetz, in: Nový hlas – list pro sexuální reformu, 1934 (5), S. 5–7.
  • Die Homosexuellen und das Gesetz, in: Nový hlas – list pro sexuální reformu, 1934 (6), S. 9–10.
  • § 10, osnovy min. spravedlnosti | § 10, Grundzüge des Justizministeriums, in: Hlas přírody – orgán „Ligy pro sexuální reform“, 1938 (1), S. 6–7.

Weiterführende Literatur und Quellen:

  • Herzer, Manfred (2017): Magnus Hirschfeld und seine Zeit. Berlin: De Gruyter Oldenbourg, S. 375–376.
  • Seidl, Jan u.a. (2014): Queer Prague. A Guide to the LGBT History of the Czech Capital 1380–2000. Brno: Černé pole, S. 118–119.
  • Soetaert, Hans P. (2014): Succession Hirschfeld. The Handling and Settlement of Magnus Hirschfeld’s Estate in Nice (France), 1935–1936, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr. 50/51, S. 13–77.

Internet:

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